Basis Informationen

TEXTUNTERLAGEN ÜBER DEN NATIONALPARK KALKALPEN

Steinadler hebt von mit Schnee bedeckter Fichte ab
Steinadler © Herfried Marek

Basistexte

Weitere Informationen stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung.

Kontakt Öffentlichkeitsarbeit und Presse

Mag. Franz Sieghartsleitner
franz.sieghartsleitner@kalkalpen.at
Telefon + 43 7584 3951-129

Logo Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
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Mächtige, herbstlich gefärbte Buchen stehen auf Berghang
Buchenurwald ©Roland Mayr

Der Nationalpark Kalkalpen Wald

Er zeigt sich in vielen Gesichtern

Logo Nationalpark Kalkalpen

Die Palette der Waldtypen ist groß im Waldnationalpark Kalkalpen. Man findet sie auf engem Raum verzahnt nebeneinander vorkommend. Der Grund dafür ist, dass die Natur für unterschiedliche Standorte Baumspezialisten hervorgebracht hat, die sich auf die Gegebenheiten und Extreme bestens angepasst haben. Höhenlage, Exponiertheit, Sonneneinstrahlung, geologischer Untergrund, Wasserverfügbarkeit oder Bodenmächtigkeit spielen die entscheidende Rolle bei der Frage, welche Baum- und Waldtypen von Natur aus wurzeln.

So findet man Buchen und Tannen an gemäßigteren Standorten, sie reagieren empfindlicher als die Fichte auf Spätfröste im Frühjahr. Auf sonnigen Hängen tieferer Lagen finden sich besonders artenreiche Ausbildungen trockenwarmer Kalkbuchenwälder. Reine Buchenwälder sind allerdings selten zu finden. In der Montanstufe sind die Fichten-Tannen-Buchenwälder, meist unter Beimischung von Bergahorn und Esche, am häufigsten vorkommend. Werden solche Hänge trockener und nährstoffärmer, kann sich die anspruchslosere Rot-Kiefer durchsetzen. Darum sind Schneeheide-Kiefernwälder besonders auf Dolomit-Steilhängen verbreitet. Besondere Waldtypen bilden sich auch an stark vom Wasser beeinflussten Lebensräumen aus. Erlenreiche Wälder wachsen an feuchten Hängen, in Sümpfen sowie in hochdynamischen Auen entlang der Bäche. Die am stärksten vom Wasser beeinflussten Bereiche der Bachauen werden aber meist von Weiden beherrscht, während sich an den weniger häufig überschwemmten Bereichen die Esche zu den Erlen gesellt. Viele andere Bäume würden in derart feuchtem Grund ersticken, denn auch Baumwurzeln brauchen Luft zum Atmen. Doch Erlen und Eschen haben im Lauf der Evolution gelernt, in winzigen Wurzelporen Sauerstoff für Notzeiten zu speichern. Genau das können Ahorn und Buche nicht. Müssten deren Wurzeln zehn Tage im stehenden Wasser ausharren, ertränken sie. Die Auen sind daher ein Ort der Überlebenskünstler.

Weitere besondere Wälder sind die seltenen Schlucht- und Hangmischwälder. Zu ihnen zählt der an schattigen Hängen und in Schluchten auftretende Bergahornreiche Edellaubwald. Seine Standorte sind geprägt von hoher Luftfeuchtigkeit und meist instabilen Böden. Die Baumschicht setzt sich vor allem aus Edellaubhölzern wie Berg-Ahorn, Esche, Berg-Ulme und oft auch der Sommer-Linde zusammen. Typische und bekannte Pflanzen in der Krautschicht dieses Waldtyps sind die Mondviole, der Hirschzungenfarn oder der Wald-Geißbart. Der äußerst seltene Lindenreiche Edellaubwald kommt an wärmebegünstigten, schuttreichen und instabilen Hängen vor.

Nach oben hin haben die Wälder einen immer höheren Anteil an Nadelhölzern. Findet die geschlossene Walddecke ihr Ende, beginnen die subalpinen Fichten-, Lärchen-Fichten- oder seltener die Lärchen-Zirben-Wälder. Eine außergewöhnliche Rarität stockt am östlichen Warscheneck-Plateau, das ist in einem potentiellen Nationalpark Kalkalpen Erweiterungsgebiet – der größte geschlossene und forstlich nie genutzte Karbonat-Lärchen-Zirbenwald der Alpen. Weiter hinauf folgen dann ausgedehnte Latschenbestände und alpine Rasengesellschaften. Erst wenn das Klima kein Pflanzenwachstum mehr zulässt, tritt großflächig nackter Fels zutage.

Autor: Mag. Franz Sieghartsleitner, Nationalpark Kalkalpen

Weißrückenspecht sitzt an vermoderndem Baumstamm und hackt dort mit seinem Schnabel nach Insekten und Larven
Weißrückenspecht ©Werner Weißmair

Nationalpark Kalkalpen

Wilder und artenreicher Südosten Oberösterreichs

Logo Nationalpark Kalkalpen

Nach mühsamen Jahren der Konflikte, Diskussionen und Verhandlungen wurde im Jahr 1997 der Nationalpark Kalkalpen im Südosten des Bundeslandes Oberösterreich eingerichtet. Exakt 125 Jahre nach der Einrichtung des Yellowstone Nationalparpark hat sich die uramerikanische Idee auch hierzulande durchgesetzt. Das Land Oberösterreich und die Republik Österreich haben alle Voraussetzungen für die Gründung und den Betrieb des Waldnationalpark Kalkalpen geschaffen.

Nationalparks haben die Aufgabe seltene Tier- und Pflanzenarten sowie möglichst unverletzte, unverfälschte landschaftliche Schönheit zu schützen. Auch ein Industrie-Bundesland wie Oberösterreich, braucht Gebiete, in denen Natur ganz bei sich sein kann. In den letzten Jahrzehnten haben wir Menschen nämlich bewiesen, dass wir sehr schnell und intensiv alles verändern und gefährden. Anstatt Kraftwerksbauten, Speicherseen, eines Kanonenschießplatzes, eines Atommüll-Endlagers im Bosruck oder anderer naturzerstörender Entwicklungsvorhaben entstand in der Eisenwurzen Region, zwischen den Flüssen Steyr und Enns, auf einer Fläche von über 200 Quadratkilometern, ein Nationalpark- und Erholungsgebiet von internationaler Bedeutung, das einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des österreichischen Naturerbes leistet. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Gründung gehört der Nationalpark Kalkalpen heute zu den strengsten Wald-Schutzgebieten Mitteleuropas und er ist unter den dreizehn Nationalparks der Alpen der waldreichste der alpinen Parke. Biologen haben bewiesen, dass im Nationalpark Wald einige, kleine Urwaldflächen völlig unbeschadet erhalten geblieben sind. Diese etwa 30 bis 60 Hektar großen Urwaldareale im Hinter- und Sengsengebirge liegen in schwer zugänglichen Bereichen. Sie sind einzigartige Hotspots der Biodiversität. Viele Arten, wie etwa 41 Urwaldkäfer, zu denen bspw. der Orangegefleckte Düster-, der Große Flachkäfer oder der rothalsige Düsterkäfer gehören, kommen nur in diesen wertvollen Urwaldarealen vor und sie sind damit Anzeiger für von Menschen unberührte Flächen. In ganz Deutschland gibt es weniger Urwaldkäferarten als in diesen kleinen Urwaldarealen im Nationalpark Kalkalpen, teilte Nationalpark Zoologe Dr. Erich Weigand mit. Vom seltenen Weißrückenspecht, einer ausgesprochenen Urwaldspechtart, gibt es noch etwa 120 Brutpaare im Schutzgebiet, ein internationaler Höchstwert. Die Höhlenlaufkäferart (Arctaphenops muellneri) gibt es weltweit überhaupt nur im Nationalpark Kalkalpen. Das sind nur einige der Naturschätze die mit der Gründung des Nationalparks, quasi im letzten Moment, gerettet wurden. Noch 1994, nur drei Jahre vor der offiziellen Gründung des Nationalparks, wurde in der schon geplanten Naturzone des Nationalpark Kalkalpen noch Urwald geschlägert.

Viele Nationalpark Projekte werden seit der Gründung des Nationalparks umgesetzt. Sie dienen unmittelbar dem Ziel, die Artenvielfalt im Nationalpark zu erhalten. Ein international beobachtetes Beispiel ist die Populationsstützung der Luchse oder sind die Bemühungen, der fast ausgestorbenen donaustämmigen Urbachforelle wieder mehr Lebensraum zu geben. Viel Arbeit wurde auch in bemerkenswerte Forschungsprojekte investiert. So konnten neue Erkenntnisse über das Karstwassersystem, die Karstquellen oder die Wanderbewegungen des Rotwildes gewonnen werden. Zusammen mit dem Umweltbundesamt und den Österreichischen Bundesforsten wird die modernste Luft- und Umweltmessstation Österreichs am Zöbelboden im Hintergebirge betrieben. Dort werden seit über 30 Jahren die Wirkungen von Luftschadstoffen auf das Karstwasser- und das Waldökosystem gemessen und analysiert. Diese Daten werden in ein international vernetztes Messsystem eingespeist, wo sie auch der Europäischen Union und UNO Institutionen zur Verfügung stehen. Diese Messreihen werden aber auch Universitäten und Forschern für weitergehende Forschungen zur Verfügung gestellt.

Autor: Mag. Franz Sieghartsleitner, Nationalpark Kalkalpen

Herbstlich gefärbter Buchen-Lärchenwald wächst Inselartig mitten in steilem Felsgelände
Buchen-Lärchenwald ©Herfried Marek

Die internationale Stellung des Nationalpark Kalkalpen

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Während die nationale Entwicklung des Schutzgebietes, vom einstigen Naturschutzgebiet Sengsengebirge bis zur offiziellen Eröffnung des Nationalpark Kalkalpen im Jahr 1997, lange Zeit, viel Anstrengung und Kompromisse bedurfte, vollzog sich nachfolgend die internationale Anerkennung überaus rasch. Von der regionalen Bevölkerung noch kaum wahrgenommen, hat der Nationalpark heute seine besondere internationale Stellung als "alpines Wald-Großschutzgebiet" gefunden und nimmt hierbei sogar eine herausragende Schlüsselrolle ein. Entscheidend dafür ist neben der hohen Naturbelassenheit des Gebietes die naturräumliche Ausstattung mit über 80% Waldbedeckung und der Vielzahl an Waldbiotoptypen, die mosaikartig von den Laubwäldern der Tallagen, über die montanen Mischwälder zu den subalpinen Nadelwäldern bis in die alpine Krummholzzone reichen. Mit dieser Naturausstattung ist der Nationalpark Kalkalpen innerhalb der 13 Nationalparke der Alpen, deren Gesamtfläche zu mehr als zwei Drittel über der Waldgrenze liegt, einzigartig.   

Bereits im Jahr 1998, unmittelbar nach der offiziellen Eröffnung des Nationalparks und noch bevor der Nationalpark Hohe Tauern seine internationale Anerkennung erreichte, wurde der Nationalpark Kalkalpen als weiteres Schutzgebiet der IUCN - der Weltnaturschutzorganisation - anerkannt. Seitdem vollzieht die Nationalpark Verwaltung die strikten Vorgaben der IUCN-Kategorien II, die die Definitionen für "Nationalparke" enthält. Vorrangig gilt es eine Nationalpark Kernzone zu entwickeln und in der man nachfolgend die Natur möglichst sich selbst überlässt, wobei diese mindestens 75% der Schutzgebietsfläche einzunehmen hat. Auf diesem Weg liegt so mancher Stolperstein und der in dieser Naturzone immer mit dem Ziel "so naturnah wie möglich" zu nehmen ist. Neben diesem prioritären Naturschutzziel dienen Nationalparke auch der Forschung, der Bildung und der Erholung des Menschen.

Wesentlich weniger Aufregung verursachte die von der Naturschutzbehörde initiierte Nominierung des Nationalpark Kalkalpen als Natura 2000-Gebiet (EU), wenngleich es nachfolgend umso lauter wurde. Sie erfolgte bereits 1998, aber erst im Jahr 2004 kam es zur Aufnahme in die Liste der "Schutzgebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung für die alpine Region" und folgend zur national-rechtlichen Umsetzung als Europaschutzgebiet. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Nationalpark Verwaltung beauftragt, den "günstigen Erhaltungszustand" aller vorkommenden EU-Schutzgüter zu erheben, laufend zu kontrollieren und gegebenenfalls Schutzmaßnahmen zu setzen. Durch den EU-Schutzstatus stehen hierzu auch Fördergelder der EU zur Verfügung und so hat sich im Laufe der Jahre ein hohes Wissen über die Natur des Schutzgebietes angesammelt, welches in Oberösterreich wohl seinesgleichen sucht.

Ebenfalls im Jahr 2004 erhält der Nationalpark Kalkalpen eine weitere internationale Auszeichnung, nämlich als Ramsar-Schutzgebiet, gleichzeitig das erste in Österreich mit der Kategorie "Karstwasser". Die Ramsar-Konvention ist ein staatenübergreifendes "Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung" und verfolgt dabei vorrangig das wise use-Prinzip, einer wohl-ausgewogenen Nutzung natürlicher Ressourcen, die den langfristigen Erhalt der Feuchtbiotope und deren Lebewelt sicherstellen soll. Eine wesentliche fachliche Grundlage für diese Auszeichnung waren die Ergebnisse aus dem "Interdisziplinären Karstwasserprogramm Nationalpark Oö. Kalkalpen (1991 bis 1999)". Förderlich war weiters das vom Umweltbundesamt Wien betriebene Langzeit-Umweltbeobachtungsgramm "Integrated Monitoring" auf dem Gebiet des Nationalpark Kalkalpen, in welchen alle Einträge aus Niederschlägen erfasst und deren Auswirkungen im Ökosystem wissenschaftlich penibel analysiert werden. Es handelt sich um das einzige derartige Programm in Österreich und dieses steht mit weiteren im gesamten Europa im vergleichenden Austausch.  

5.250 Hektar Buchenwald des Nationalpark Kalkalpen wurden 2017 zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt. Sie sind Teil der „alten europäischen Buchen- und Buchenurwälder“ und gehören damit zur weltweit größten seriellen UNESCO Welterbestätte. Die Ausweisung erfolgte völlig zurecht, denn nur hier kommen die ostalpen-endemische Buchenwaldgesellschaft Schneerosen-Buchenwald (helleboro nigri-fagteum) und Buchen-Lärchen-Wälder vor. Und mit einer Buche die bereits 1474 keimte, wurzelt die älteste Buche der Alpen in einem Urwaldareal im nördlichen Sengsengebirge.

Autor: Mag. Franz Sieghartsleitner, Nationalpark Kalkalpen

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