Purpurrot blühende Clusius Primel
Clusius Primel auch Jagablut genannt ©Anglika Stückler

Steckbrief Clusius Primel

Lateinischer Name: Primula clusiana
Blütezeit: Mai - Juli
Standort: Feuchte Felsfluren, feuchte Rasen, Schneeböden
Sonstiges:Endemit

Die niederwüchsige Clusius-Primel ist eine Pflanze der feuchten Kalkfelsen und Steinrasen in der montanen bis alpinen Höhenstufe.

Die Clusius-Primel wird nur selten höher als fünf Zentimeter. Die ganzrandigen, etwas fleischigen Blätter sind in einer dem Boden anliegenden Rosette angeordnet. Besonders charakteristisch sind die vergleichsweise großen, purpurroten Blüten. Ihnen verdankt sie den Namen Jägerblut. Die Blütezeit reicht je nach Höhenlage von Ende April bis Juni. Beim Verblühen verfärben sich die Blüten blasslila.

Die Clusius-Primel wächst auf feuchten, flachgründigen, feinerde- und humusarmen Böden kalkhaltiger Gesteine. Die günstigsten Wuchsbedingungen findet sie in feuchten Felsfluren, feuchten Rasen und Schneeböden. Sie ist eine charakteristische Art des Polsterseggenrasen (Caricetum firmae). Diese niederwüchsige Rasengesellschaft kann sich nur auf Extremstandorten dauerhaft halten. Im Nationalpark sind entsprechende Standorte etwa in den felsigen, schattigen und luftfeuchten unteren Abschnitten der steilen Hintergebirgs-Schluchten zu finden. Die Polsterseggenrasen sind dort mosaikartig mit Beständen der Rostseggenrasen (Caricetum ferruginae) verzahnt.

In den Alpen gibt es insgesamt mehr als 400 endemische Pflanzenarten, von denen der überwiegende Teil auf Felsen, Schutthalden oder in lückigen Rasengesellschaften wächst. Die eng beschränkten Vorkommen der Endemiten erklärt man sich so, dass diese Arten die Eiszeiten in Refugien überdauerten, sich hernach aber nicht wieder ausbreiten konnten, weil bereits konkurrenzstärkere Arten, insbesondere die Bäume, vorrückten. Im Zuge der Biotopkartierung konnten im Nationalpark Kalkalpen bisher insgesamt 14 der 18 in Oberösterreich vorkommenden endemischen Arten nachgewiesen werden.

Das Vorkommen der Clusius-Primel im Nationalpark Kalkalpen ist aufgrund des Fehlens der alpinen Höhenlagen weitgehend auf Extremstandorte wie Schluchten und Schneeböden beschränkt. Hier wird sie von der zunehmendenWaldwildnis nicht betroffen sein.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: selten
Status Österreich: häufig bis selten
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich: vollkommen geschützt

Zwei Schneerosen stecken ihre Blütenknospen durch Schnee
Knospen von Schneerosen ©Georg Punz

Steckbrief Schneerose

Lateinischer Name: Helleborus niger
Blütezeit: Dezember - April
Standort: Fichten-Tannen-Buchen-Wälder
Sonstiges: Giftig! Wurzel wurde früher zerrieben und als Schnupfpulver verwendet.

Die Schneerose wird wegen ihrer attraktiven Blüte auch gerne als Zierpflanze verwendet. Aus botanischer Sicht handelt es sich um keine Rose, sondern um ein Hahnenfußgewächs. Sie kommt bei uns in der montanen bis subalpinen Höhenstufe vor und ist eine typische Art der Kalk-Buchenwälder.

Die Schneerose hat immergrüne, ledrige Blätter, die in vier bis neun Finger geteilt sind. Die großen, weißen Blüten sitzen meist einzeln auf maximal 30 cm hohen, blattlosen Stängeln. Der Name Schneerose bezieht sich auf die frühe Blühzeit gleich nach der Schneeschmelze. In milden Wintern gibt es schon ab Dezember blühende Exemplare (Christrose). Die Blütenblätter fallen bei der Fruchtbildung nicht ab, sie haben bis dahin allerdings einen grünen Farbton angenommen. Der Grund für diese Langlebigkeit ist, dass es sich bei den vermeintlichen Blütenblättern um weiß gefärbte Kelchblätter handelt, während die eigentlichen Kronblätter zu unscheinbaren Nektarblättern umgebildet sind. Die Schneerose ist eine altbekannte Gift und Heilpflanze. Die in allen Teilen der Pflanze enthaltenen herzwirksamen Gykoside können zu schweren Vergiftungen führen. Die getrocknete und geriebene Wurzel kann als Niespulver und Beimengung zu Schnupftabak verwendet werden, deswegen der Name Nieswurz.

Die Schneerose bevorzugt frische bis mäßig trockene, nährstoff- und kalkreiche Böden. Sie ist die namensgebende Art des Schneerosen-Fichten-Tannen-Buchenwaldes (Helleboro-Fagetum). Im Nationalpark ist sie in allen Kalk- Buchenwaldgesellschaften von sehr frisch (Aceri- Fagetum) bis eher trocken (Carici-Fagetum) häufig vertreten. Auch im Schneeheide-Rotkiefernwald (Erico- Pinetum sylvestris), Rostseggenrasen (Caricion ferrugineae) sowie in den kalkalpinen Fels- und Schuttrasen (Seslerion coeruleae) ist sie immer wieder anzutreffen.

Die Schneerose kommt im Nationalpark Kalkalpen häufig vor. Sie wird wie alle Buchenwaldpflanzen sehr vom Vordringen der Buchen- und Buchenmischwälder profitieren, welches mit der zunehmenden Waldwildnis im Nationalpark zu erwarten steht.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: sehr häufig
Status Österreich: häufig
Rote Liste Österreich (1999): regional gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): potentiell regional stärker gefärdet
Naturschutzgesetz Oberösterreich: teilweise geschützt

Ansammlung von Frauneschuh Orchideen blüht an Bachufer
Frauenschuh Orchidee ©Herfried Marek

Steckbrief Frauenschuh

Lateinischer Name: Cypripedium calceolus
Blütezeit: Mai - Juni
Standort: Kalkliebend, in halbschattigen lehmreichen Wäldern
Sonstiges: In Legenden wird angeblich ein Bezug zur Jungfrau Maria ("Marienfrauenschuh") hergestellt .Interessant ist weiters, wie diese Blume die Bestäubung "erzwingt": in die Pflanze eingedrungene Insekten fallen in den kesselförmigen, innen glattwandigen ölig-glänzenden Schuh, wo sie zuckerhaltige Stoffe finden. Nur über die Narbe bzw. die klebrigen Pollen, die hierbei berührt werden müssen,  führt ein Ausweg ins Freie!

Der Frauenschuh ist eine jener heimischen Pflanzen, die jeder kennt, aber nur wenige schon in Natura zu Gesicht bekommen haben. Die schöne, seltene Orchidee wächst nur auf Kalk und kommt in lichten Kiefern- und Laubmischwäldern in der kollinen bis obermontanen Höhenstufe vor.

Der Frauenschuh ist für seine charakteristische Blüte bekannt. Aus vier langen, eingedrehten, rotbraunen Blütenblättern schiebt sich eine große, oben offene, gelbe Unterlippe hervor. Ihre Form erinnert an die aus einem Stück gefertigten Holzpantoffel, die man einst als Arbeitsschuhe schätzte. Kleinere Insekten, die, angezogen durch die Farbe und den vanilleartigen Duft, in den Pantoffel hineinfallen, können ihn wegen der glatten Kesselwände nicht mehr über die obere Öffnung verlassen. Auf dem Weg zum hinteren Auslass müssen sie sich an der Narbe und den Staubbeuteln vorbeizwängen, wo sie mitgebrachten Pollen abstreifen und neuen angeklebt bekommen. Der Frauenschuh blüht von Mai bis Juni. Die Stängel werden maximal kniehoch und sind bis oben beblättert. Die Blätter haben ausgeprägte Längsnerven. Sie ähneln jenen des Weiß-Germers ( ), sind jedoch zarter als diese und unterseits nicht behaart.

Der Frauenschuh bevorzugt mäßig frische bis sommertrockene, modrig-humose, kalkhältige Böden. Als Halbschat- tenpflanze verträgt er nur geringe Überschirmung. Ein Schwerpunkt seines Vorkommens liegt in lichten Buchenwäldern (Cephalanthero-Fagion), insbesondere im Seggen-Buchenwald (Carici-Fagetum). Weiters ist er hin und wieder im Schneeheide-Kiefernwald (Erico-Pinetum sylvestris) sowie im Alpendost-Fichten-Tannenwald (Adenostylo glabrae-Abietum) zu finden.

Der Frauenschuh wird mit der zunehmenden Waldwildnis im Nationalpark ein noch seltenerer Anblick werden, als er es ohnehin schon ist. Denn die Waldgesellschaften, in denen er vorkommt, stellen nicht die Schlussgesellschaft am jeweiligen Standort dar. Es ist anzunehmen, dass sich manche Rotföhren- zu Fichtenwäldern und manche Alpendost-Fichten-Tannen- sowie Seggen-Buchenwälder zu (Fichten-) Tannen-Buchenwäldern weiterentwickeln werden, in denen es für den Frauenschuh zu dunkel ist.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: selten
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): gefährdt
Naturschutzgesetz Oberösterreich: vollkommen geschützt
FFH-Richtlinie der EU: unbedingtes Schutzgebot, Anhang II, IV

Nahaufnahme des Blütenstands des Ostalpen-Enzian.
Blüte Ostalpen Enzian ©Nationalpark Kalkalpen/Herfried Marek

Steckbrief Ostalpen-Enzian

Lateinischer Name: Gentiana Panonnica
Blütezeit: August
Standort: Kalkliebend, in halbschattigen lehmreichen Wäldern

Der Ostalpen-Enzian ist eine kräftige Staude mit großen, braunvioletten Blüten. Der wissenschaftliche Name und seine Übersetzungen sind irreführend, da die Art weder pannonisch ist, noch in Ungarn vorkommt. Bei uns wächst er in mageren Weiderasen, Hochstaudenfluren und -gebüschen der obermontanen bis subalpinen Höhenstufe.

Der Ostalpen-Enzian hat große, gegenständige, glänzende Blätter. Sie weisen die für Enziane typische, deutliche Längsnervatur auf. Im oberen Abschnitt und am Ende des kräftigen, kniehohen Stängels sitzen in den Blattachseln je zwei bis fünf ungestielte Blüten. Sie sind außen braunviolett, innen gegen den Grund zu gelblich mit dunklen Sprenkeln. Die Blütezeit ist im August. Die an Zuckern und Bitterstoffen reiche Wurzel eignet sich wie jene des Gelb- Enzians ( ) zur Schnaps- und Likörherstellung. Während erfahrene WurzelgraberInnen früher darum wussten, auf welche Weise die Nutzung zu erfolgen hat, damit die Bestände erhalten bleiben, ist heute vielerorts eine Plünderwirtschaft eingerissen, welche die Bestände stark verringert hat. Da die großen Enziane allesamt Weideunkräuter sind und von der Weidewirtschaft profitieren, hat sich auch der generelle Rückgang der Almflächen negativ ausgewirkt.

Der Ostalpen-Enzian ist eine Pflanze der Kalkgebirge, besiedelt dort jedoch nur kalkarme Böden wie Braunlehme. Am häufigsten kommt er in den montanen bis subalpinen bodensauren Magerweiden (Nardo-Agrostion tenuis) vor. Das sind meist Wald-Ersatzgesellschaften, die nur aufgrund der Beweidung waldfrei sind. Daneben ist der Ostalpen-Enzian auch in den Subalpinen Hochstaudenfluren (Adenostylion alliariae) und Hochstaudengebüschen (Alnion viridis) zu finden.

Auf den Ostalpen-Enzian wird sich die zunehmende Waldwildnis im Nationalpark Kalkalpen neutral bis ungünstig auswirken. Mit dem Zuwachsen von aufgelassenen Almflächen und der Weiterentwicklung mancher Hochstaudenflur zum Fichten- oder Bergahornwald wird er wenig Freude haben. Andererseits könnte er von der Auflichtung profitieren, die mit der Überalterung der Fichten- (Tannen-)Wälder der höheren Lagen zu erwarten ist.

 

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: selten
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): regional gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): potentiell regional stärker gefährdt
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): vollkommen geschützt

Hellpurpurrote turbanähnliche Blüten der Türkenbund-Lilie
Türkenbund-Lilie ©Elke Mitterhuber

Steckbrief Türkenbund-Lilie

Lateinischer Name: Lilium martagon
Blütezeit: Juni - Juli
Standort: Kalkliebend, Laubwaldgesellschaften

Die Türkenbund-Lilie ist eine von nur drei heimischen Wildlilienarten. Ihre turbanähnlichen Blüten machen sie unverwechselbar. Sie wächst in krautreichen Laub- und Nadelwäldern, an Waldrändern und in Hochstaudenfluren der kollinen bis subalpinen Höhenstufe.

Die Türkenbund-Lilie wird bis zu einem Meter hoch. Ihre schmalen, glänzenden Blätter stehen wenigstens im unteren Teil deutlich quirlständig am Stängel. Wo ihr der Standort zu schattig ist, beispielsweise in Fichtenstangenhölzern, bildet sie bisweilen gar keinen Stängel aus, sondern begnügt sich mit einigen wenigen Blättern, die direkt aus dem Boden wachsen. Zur Blütezeit trägt der Stängel bis zu 20 wächserne, hellpurpurrote Blüten in der typischen, turbanähnlichen Form. Sie werden von einem weit herausragenden Griffel und sechs langen Staubblättern mit auffallend großen, braunrot gefärbten Staubeuteln komplettiert. Die Blüte ist auf Nachtschwärmer ausgerichtet und duftet in der Dunkelheit stärker. Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Insbesondere die Knospen werden gerne vom Wild gefressen.

Die Türkenbund-Lilie bevorzugt sickerfrische, nährstoffund basenreiche, lockere, tiefgründige Lehmböden auf kalkreichem Untergrund. In tieferen Lagen ist sie eine Halbschattenpflanze, in höheren Lagen geht sie auch auf offene Flächen. Sie kommt in beinahe allen Laubwaldgesellschaften vor, die in den Verbänden der Schlucht- und Hangschuttwälder (Tilio-Acerion) sowie der Buchenwälder (Fagion) zusammengefasst sind. Wo sie in Nadelwäldern vorkommt, ist sie meist ein Relikt der ursprünglichen Laubwaldgesellschaft. Waldränder und Waldschläge dürfte sie deswegen schätzen, weil ihr bessere Lichtverhältnisse das Blühen erleichtern. Außerhalb des Waldes kann man sie in den Subalpinen Hochstaudenfluren (Adenostylion alliariae) finden.

Die zunehmende Waldwildnis im Nationalpark Kalkalpen wird sich auf die Türkenbund-Lilie eher förderlich auswirken. Zunächst gehen ihr zwar durch das Zuwachsen von Waldschlägen Standorte verloren. Dies wird allerdings um ein Vielfaches durch den Vorteil aufgewogen, welchen sie als Buchenwaldpflanze aus der Ausbreitung der naturnahen Fichten-Tannen-Buchenwälder ziehen kann.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: häufig
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): vollkommen geschützt

Zwischen Kalkgestein blühen drei zierliche weiße Anemonen Schmuckblumen mit gelben Blütenkorb
Blüten der Anemonen-Schmuckblume ©Herfried Marek

Steckbrief Anemonen-Schmuckblume

Lateinischer Name: Callianthemum anemonoides
Blütezeit: März - Mai
Standort: In Föhrenwäldern, auf feucht-schattigen Felsen und Geröll, zerstreut bis selten.
Beobachtungstipp: Wer die Anemonen-Schmuckblume sehen will, muss im zeitigen Frühjahr unterwegs sein. Sie blüht ehe noch ihre Blätter voll entwickelt sind. Zu finden auf der Südseite bis zum Grat des Sengsengebirges.

Die Anemonen-Schmuckblume ist ein Endemit der Nordöstlichen Kalkalpen, das heißt, sie kommt nur dort und nirgends anders auf der Welt vor. Ihr Areal reicht vom Schneeberg bis nach Oberösterreich. Sie wächst in lichten Nadelwäldern, auf Felsen und feinerdereichen Schutthalden in der montanen Höhenstufe.

Die Anemonen-Schmuckblume (griech. kallos = Schönheit, anthemos = Blume) blüht zeitig von März bis längstens Mai. In der restlichen Zeit des Jahres sind von ihr nur die lang gestielten, grundständigen, fein geschlitzten, graugrünen Blätter zu sehen. In Form und Farbe ähneln sie den Blättern des Echten Wermut. Zur Blütezeit bildet sie zahlreiche, auf kurzen Stängeln sitzende Blüten aus, die mit bis zu vier Zentimeter Durchmesser relativ groß für diese zierliche Pflanze wirken.

Die Anemonen-Schmuckblume bevorzugt kalkreiche, eher feuchte als trockene, feinerdereiche, steinige Böden. Zusagende Bedingungen findet sie in steinigen Nadelwäldern wie etwa Föhrenwäldern, in schattigen Felsspalten und auf ruhendem, feinerdereichen Gesteinsschutt.

In den Alpen gibt es insgesamt mehr als 400 endemische Pflanzenarten, von denen der überwiegende Teil auf Felsen, Schutthalden oder in lückigen Rasengesellschaften wächst. Im Zuge der Biotopkartierung konnten im Nationalpark Kalkalpen bisher insgesamt 14 der 18 in Oberösterreich vorkommenden endemischen Arten nachgewiesen werden. Die eng beschränkten Vorkommen der Endemiten erklärt man sich so, dass diese Arten die Eiszeiten in Refugien überdauerten, sich hernach aber nicht wieder ausbreiten konnten, weil bereits konkurrenzstärkere Arten, insbesondere die Bäume, vorrückten. Die Anemonen-Schmuckblume ist eines der wenigen Beispiele, denen es gelungen ist, sich an die klimatischen Besonderheiten einerWaldgesellschaft anzupassen.

Das Vorkommen der Anemonen-Schmuckblume im Nationalpark Kalkalpen wird von der fortschreitenden Waldwildnis kaum berührt werden, da sie hauptsächlich Sonderstandorte wie Felsen und Schutthalden besiedelt. Allenfalls hat sie dort, wo sich steinige Fichten- und Föhrenwälder zu schattigeren Fichten-Tannen- Buchenwäldern weiterentwickeln, eine Verdrängung durch anspruchsvollere Bodenpflanzen zu befürchten.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: selten
Status Österreich: zerstreut bis selten
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Alte Buche mit herbstlicher Laubfärbung
Buchenurwald ©Andreas Mayr

Steckbrief Rot-Buche

Lateinischer Name: Fagus sylvatica
Charakteristik: 30 - 45 m hoch, hellgraue Rinde, Blätter glattrandig, kräftig grün, im Herbst auf das typische Rot verfäbend; Samen als Bucheckern bekannt;
Standort: Feucht-gemäßigtes Klima, nährstoffreiche, schwach saure bis kalkreiche Böden; in der Jugend Schattentolerant, später erhöhter Lichtbedarf

Das Areal der Rot-Buche reicht vom Mittelmeer bis Südschweden und im Osten bis zum Ural. Sie ist eine typische Baumart der schnee- und regenreichen Staulagen der Alpenränder, wo sie von den Tallagen bis etwa 1.400 Meter vorkommt. Aus wirtschaftlichen Gründen ist sie im Verlauf der letzten Jahrhunderte stark zugunsten der Fichte reduziert worden.

Rinde und die glänzenden Blätter, welche im Herbst eine intensiv gelb- bis braunrote Färbung annehmen. Der Name Rotbuche bezieht sich allerdings auf die Färbung des Holzes. Buchenholz war bis vor dem Kohle- und Erdölzeitalter der bedeutendste Energielieferant. Es war jedoch schwierig zu transportieren, da ungetrocknete Buchenstämme nicht schwimmen und deshalb nicht geflößt werden konnten. Auf optimalen Standorten können Buchen bis zu 300 Jahre alt und 45 Meter hoch werden. An der Waldgrenze und in Lawinenstrichen bleibt sie bisweilen dauerhaft strauchförmig („Legbuche“).

Die Buche ist eine konkurrenzstarke Schattbaumart, die frische, tiefgründige, kalkreiche Böden, hohe Luftfeuchtigkeit und große Niederschlagsmengen liebt. Ihr Optimum hat sie in der montanen Höhenstufe, die deswegen auch Buchenstufe heißt. An Hangfüßen und in Muldenlagen ist sie etwas seltener, da sie vernässte Böden meidet.

Die Buche ist in fast allen unseren Waldgesellschaften vertreten, mit Ausnahme der subalpinen Gebirgswälder. Ihre optimale Entfaltung erfährt sie im Verband der Buchenwälder (Fagion), der sich aus Kalk-Buchenwäldern, Braunerde-Buchenwäldern und bodensauren Buchenwäldern zusammensetzt. In den unteren Lagen sind Eiche und andere Laubhölzer, in den oberen Fichte, Tanne und Berg-Ahorn beigemischt. Im Nationalpark Kalkalpen sind auf kalkreichen Böden der Schneerosen- Buchenwald, auf entkalkten Braunlehmen der Waldmeister-Buchenwald, und auf trockeneren Böden der Seggen- und Blaugrasbuchenwald weit verbreitet.

Die Buche ist jene Baumart, die am meisten von der Waldwildnis im Nationalpark profitiert. Sie wird zum einen jene Flächen zurückerobern, die sie früher an Fichtenforste abtreten musste, und zum anderen die durch die bisherige Forstwirtschaft überhöhten Anteile von Lärche, Fichte und Berg-Ahorn in den Mischwäldern reduzieren.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: sehr häufig
Status Österreich: häufig
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Herbstlich gelb gefärbter Berg Ahorn leuchtet in verschneitem Bergwald
Berg Ahorn ©Kurt Buchner

Steckbrief Berg-Ahorn

Lateinischer Name: Acer pseudoplatanus
Charakteristik: Über 30 m hoch, über 500 Jahre, hellbraungraue glatte Rinde, die im Alter abblättert; fünflappige, gegenständige Blätter
Standort: im kühl-feuchten Bergklima, bis in hochmontane Lagen

Das relativ enge Areal des Berg-Ahorns reicht von den Pyrenäen bis ans Schwarze Meer. In Nordeuropa fehlt er. Seine Höhenverbreitung reicht von 300 bis etwa 1.700 Meter, womit er höher steigt als die Buche. Der Berg-Ahorn ist an seinen platanenähnlichen Blättern zu erkennen, die eine gelbe Herbstfärbung zeigen.

Die propellerartigen Früchte kennt jedes Kind. Auch die abplattende, helle Borke wäre ein gutes Merkmal. Sie ist jedoch häufig unter einem dichten Bewuchs aus Moosen verborgen, denen der Basenreichtum der Rinde zusagt. Mit maximal 35 Meter Wuchshöhe auf günstigen Standorten gehört der Berg-Ahorn nicht gerade zu den „Riesen“.

Der Berg-Ahorn gilt als eine Baumart mit großer ökologischer Toleranz. In tieferen Lagen bevorzugt er kühle Schatthänge, in höheren dagegen eher Sonnenhänge. In der Jugend erträgt er viel Schatten, mit dem Alter nehmen die Lichtansprüche zu. Da er feuchte, nährstoffreiche Böden schätzt, ist er so wie Esche und Berg-Ulme häufig am Hangfuß vertreten. Besonders konkurrenzstark ist er auf instabilen Kalk-Hangschuttböden. Hier kommt ihm zugute, dass er äußerst standfest ist, Steinschlagschäden gut ausheilt und unempfindlich gegen Winterkälte und Schneeschub ist. Manchmal fungiert er als Pionier, der schwierige Standorte für die Besiedelung durch Fichte und Buche vorbereitet. Wie die Esche verfügt er über eine sehr reiche Verjüngung.

Der Berg-Ahorn kommt vor allem in Schlucht- und Steinschuttwäldern vor (Tilio-Acerion). Ansonsten ist er eine typische Mischbaumart, die zur Baumartenkombination der Eschenwälder sowie feuchter bzw. hoch gelegener Buchenwaldgesellschaften gehört. Aber auch in den vergleichsweise trockenen Seggen- und Blaugrasbuchenwäldern kann man ihn finden.

In Bezug auf die zukünftige Arealentwicklung des Berg- Ahorns im Nationalpark ist eine Prognose schwierig. Einerseits sollte ihm die Ausbreitung der natürlichen Buchenmischwälder zugute kommen. Andererseits konnte er als verjüngungsstarke Pionierbaumart von der vergangenen Kahlschlagwirtschaft profitieren. Es stellt sich die Frage, ob er in den älter werdenden Buchenmischwäldern nicht von der Buche ausgedunkelt wird, zumal er auch stärker vom Wildverbiss betroffen ist als diese.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: häufig
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Stattliche Bergulme im Sommer
Bergulme ©Andreas Gärnter

Steckbrief Berg-Ulme

Lateinischer Name: Ulmus glabra
Charakteristik: bis 40 Meter hoch, asymmetrische Blätter, diese oft dreispitzig
Standort: feuchteliebend, bis ca. 1.200 m

Das Verbreitungsgebiet der Berg-Ulme reicht vom Südrand der Alpen und der Karpaten über Mittel- und Nordeuropa bis zum Ural im Osten. Bei uns kommt sie vorwiegend in den boden- und luftfeuchteren Lagen der Buchenstufe vor, wo sie bis etwa 1.200 Meter hinaufsteigt.

Typische Merkmale der Berg-Ulme sind die großen, unsymmetrischen Blätter, sowie ihre Neigung zur Zweifach- Stämmigkeit. Öfters findet man Exemplare mit vergilbten Blättern im oberen Kronenbereich. Ursache dafür ist ein durch den Ulmensplintkäfer verbreiteter Pilz, der sich in den Leitungsgefäßen des Stammes ausbreitet. Da der Baum mit Verschluss der infizierten Gefäße reagiert, schnürt er sich zunehmend selbst das Wasser ab, bis er schlussendlich vertrocknet und abstirbt. Eine gesunde Berg-Ulme kann hingegen bis zu 500 Jahre alt und 40 Meter hoch werden.

Die Berg-Ulme ist eine Halbschattenbaumart, die frische bis sickerfeuchte, nährstoff- und basenreiche, lehmige Böden bevorzugt. Besonders gut wächst sie in feuchten Grabeneinhängen und Schluchten, wohin ihr die Buche nicht mehr folgt. Da die Berg-Ulme recht unempfindlich gegen Stammverletzungen durch Steinschlag sowie gegen Zugspannungen an den Wurzeln ist, ist sie auf bewegten Rutschhängen gegenüber Buche und Fichte konkurrenzfähig.

Die Berg-Ulme kommt vor allem in Hang- und Schluchtwaldgesellschaften vor, so etwa im Eschen-Ahorn- Schluchtwald, im Mondviolen-Schluchtwald, im Waldgeißbart- Schluchtwald sowie im Ulmen-Ahornwald. Auch im Aronstab-Buchenwald und in tieferliegenden Bergahorn- Buchenwäldern findet sie sich gerne ein. Die Berg-Ulme gehört im Nationalpark zu den selteneren Baumarten. Sie hat im Verlauf der nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung kontinuierlich Areal an die konkurrenzstärkeren Schattbaumarten Fichte, Tanne, Buche und Hainbuche verloren. Den verbliebenen Vorkommen setzt seit 1920 die eingeschleppte Pilzinfektion dermaßen zu, dass zu Recht von einem „Ulmensterben“ gesprochen wird. Dazu kommt, dass die Berg-Ulmen Verjüngung intensiv vom Wild verbissen wird. Obwohl nicht zu befürchten ist, dass die Berg-Ulme ausstirbt, wird sie wohl in Zukunft trotz Waldwildnis im Nationalpark Kalkalpen ein noch seltenerer Anblick sein als bisher.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: zerstreut
Status Österreich: häufig
Rote Liste Österreich (1999): regional gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): stark gefährdet-
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): teilweise geschützt

Eschen im Sommer
Eschen ©Erich Weigand

Steckbrief Edel-Esche

Lateinischer Name: Fraxinus excelsior
Charakteristik: Bis 40 m hoher Baum, Rinde junger Bäume glatt und hellgrau, im Alter grau Borke mit dichten Längsrissen
Standort: Kalkhaltiger, nährstoffreicher Boden, trocken bis feucht; in Schluchtwäldern und Auwäldern, halbschattig bis licht

Das Areal der Esche umfasst West- und fast ganz Südeuropa und reicht im Osten bis zum Ural. Das nördliche Alpenvorland zählt zu den Verbreitungsschwerpunkten. Sie kommt bei uns von den tiefsten Lagen bis etwa 1.200 (1.500) Meter vor, wobei der Schwerpunkt zwischen 300 und 900 Meter liegt. Die Esche steigt also nicht so weit hinauf wie der Berg- Ahorn, mit dem sie ansonsten häufig gemeinsam auftritt.

Die Esche ist an den gefiederten Blättern und der längsrissigen, grauen Borke leicht erkennbar. Von allen heimischen Laubbäumen treibt sie am spätesten das Laub aus und wirft es am frühesten wieder ab, was auf einen effizienten Stoffwechsel schließen lässt. Ein 100-jähriger Baum erreicht je nach StandortWuchshöhen zwischen 25 Meter im eher trockenen Seggen-Buchenwald und 35 Meter im frisch-feuchten Bergahorn-Eschenwald.

Die Esche bevorzugt luftfeuchte Lagen der Hügel- und unteren Bergstufe mit nährstoffreichen, tiefgründigen Böden und bewegtem Bodenwasser. Dank ihrer reichen Bewurzelung vermag sie aber ebenso an trockenen Kalkhängen zu gedeihen. Auf sauren Böden und bei stagnierender Nässe wird man hingegen keine Eschen finden. Die Esche verfügt als Baumart mit Pioniercharakter wie der Berg-Ahorn über eine sehr reiche Verjüngung. Das geringe Lichtbedürfnis in der Jugend und die große ökologische Toleranz erlauben der Esche, sich in vielen Waldgesellschaften wenigstens eingestreut zu halten.

Die Esche kommt hauptsächlich in Flussauen (Eschen- Hartholzau), in Schluchtwäldern (Bergahorn- Eschenwald), entlang von Gebirgsbächen (Bach- Eschenwald) und an sickerfeuchten Hängen vor. Daneben findet man sie in frischeren Buchenwaldgesellschaften, aber auch in den eher trockenen Seggen- und Blaugras- Buchenwäldern.

In Zukunft sollte der Esche die Ausbreitung der natürlichen Buchenmischwälder zusagen. Andererseits hat sie als verjüngungsstarke Pionierbaumart bislang sehr von der Kahlschlagwirtschaft profitiert. Es stellt sich die Frage, ob sie in den älter werdenden Buchenmischwäldern nicht von der Buche ausgedunkelt wird, zumal sie stärker verbissen wird als diese.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: häufig
Status Österreich: sehr häufig
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Eberesche mit rotem Fruchtstand
Eberesche ©Anglika Stückler

Steckbrief Esche

Lateinischer Name: Sorbus aucuparia
Charakteristik:
Standort:

Das Verbeitungsgebiet der Eberesche umfasst den größten Teil Europas und reicht über Mittelasien bis nach Sibirien. Sie kommt von der Ebene bis zur klimatischen Baumgrenze vor. In den Alpen wächst sie von der montanen bis in die subalpine Höhenstufe.

Ihren Namen verdankt die Eberesche den gefiederten Blättern, die auf den ersten Blick jenen der Esche ähneln. „Vogelbeere“ bezieht sich auf die Vorliebe der Vögel für ihre orangeroten Beeren. Da die Gattung zur Unterfamilie der Kernobstgewächse gehört, erinnern die Beeren nicht zufällig an sehr kleine Äpfel. Die Eberesche ist eine kurzlebige Baumart, die selten mehr als 100 Jahre alt wird. Während sie auf zusagenden Standorten 15 bis 20 Meter hoch werden kann, bleibt sie bei weniger günstigen Bedingungen in höheren Lagen oft nur strauchförmig.

Die Eberesche ist eine Art der sommerkühlen, regenreichen Lagen. Sie ist frost- und winterhart. Mit Ausnahme von ständig nassen und noch sehr rohen Böden wächst sie auf praktisch allen Substraten. Ihr Vorkommen ist weitgehend durch die geringe Konkurrenzkraft gegenüber anderen Baumarten bestimmt. In der Jugend ist sie gegen Beschattung noch wenig empfindlich, zur baumförmigen Entwicklung und Reifung der Beeren benötigt sie jedoch viel Licht. Sie ist daher nur in lückigen Wäldern zu finden und gehört zu jenen Gehölzen, die besonders gern vom Wild verbissen werden.

Die Eberesche ist in allen Höhenstufen in Vorwäldern und Schlagfluren (Epilobion angustifolii, Sambuco-Salicion capreae) anzutreffen. In den höheren Lagen schließt sie sich vorwiegend den montanen und subalpinen Fichtenwaldgesellschaften (Vaccinio-Piceion) an. Außerhalb der Wälder kommt sie in den Subalpinen Hochstaudenfluren (Adenostylion alliariae) und Latschengebüschen (Erico- Pinion mugi) vor.

Die Entwicklung der Eberesche im Nationalpark Kalkalpen ist angesichts der zunehmenden Waldwildnis schwer vorherzusagen. Das Ende der Kahlschläge wird sie gewiss nicht freuen. Auf der anderen Seite steht zu erwarten, dass mit der Überalterung der von Natur aus fichtenreichen Wälder der höheren Lagen Bestandslücken entstehen werden, die sie zur Verjüngung nutzen kann.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: häufig
Status Österreich: sehr häufig
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Mehlbeerbaum in lichtem Wald
Mehlbeerbaum ©Andreas Gärnter

Steckbrief Echt-Mehlbeere

Lateinischer Name: Sorbus aria
Charakteristik: Strauch oder Baum bis 12 Meter hoch, Rinde glatt, grau, im Alter rissig; Blätter elliptisch; dunkelgrüne Oberseite, weiße Unterseite filzig; ab August rote Früchte
Standort: Auf kalkreichen Böden an sonnigen, trockenen Stellen

Der Mehlbeerbaum ist in nahezu ganz Europa sowie in Kleinasien und Nordafrika verbeitet. Sein Schwerpunkt liegt auf sommerwarmen, trockenen Kalkstandorten in der kollinen bis montanen Höhenstufe.

Charakteristisch für die Mehlbeere sind die unterseits silberweißen Blätter, die, wenn sie vom Wind bewegt werden, von weitem einen blühenden Baum vortäuschen. Die Blüten und die nachfolgenden Früchte stehen in schirmförmigen Rispen. Der Name Mehlbeere bezieht sich auf die relativ großen, gelbrot bis scharlachrot gefärbten Beeren, die sich getrocknet als Mehlersatz eignen. Der Stamm der Mehlbeere ist häufig krumm, des öfteren auch hängend. Sie wächst entsprechend den eher trockenen Standorten langsam, wird bis zu 200 Jahre alt und 15 bis 20 Meter hoch.

Die Mehlbeere ist mäßig wärmebedürftig, stellt jedoch höhere Ansprüche an die Sommerwärme. Am besten gedeiht sie auf basenreichen, gut durchlüfteten, mäßig trockenen Böden. Als Lichtbaumart besiedelt sie vornehmlich Hang- und Gratlagen in warmen Süd- und Südwest-Expositionen. Verletzungen durch Steinschlag und Zugspannungen an den Wurzeln kann sie gut ertragen. Da sie überdies frosthart, sturmfest und schneebruchsicher ist, ist sie insgesamt ein recht robuster Baum.

Die Mehlbeere selbst ist keine bestandsbildende Art. In tieferen Lagen gesellt sie sich vor allem kalk- und wärmeliebenden Strauchgesellschaften (Berberidon) und lichten Eichenmischwäldern (Quercion pubescentis) bei. Im Schneeheide-Kiefernwald (Erico-Pinetum sylvestris) und in den lichten Seggen- und Blaugrasbuchenwäldern gehört sie zur steten Artenkombination. Weiters kommt sie regelmäßig im Schneeheide-Latschengebüsch (Erico- Pinetum prostratae) vor.

Was den Mehlbeerenbestand im Nationalpark Kalkalpen angeht, ist eher von einer Abnahme auszugehen. Zwar werden die Vorkommen auf den Felsstandorten stabil bleiben, aber dafür werden sich manche Rotföhrenwälder, insbesondere wenn sie sekundär aus Fichtenwäldern hervorgegangen sind, wieder zu solchen entwickeln. Ebenso werden Teile der Seggen- und Blaugrasbuchenwälder zu Fichten-Tannen-Buchenwäldern heranreifen, in denen es für die Mehlbeere zu schattig sein wird.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: zerstreut
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): regional gefährdet
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Weiße Blüten von Felsenbirne
Blüten der Felsenbirne ©Herfried Marek

Steckbrief Echte Felsenbirne

Lateinischer Name: Amelanchier ovalis
Charakteristik: Reich verzweigter und dichtkroniger Strauch bis 4 Meter Höhe, Blüte April bis Mai
Standort: Trocken-warme lichte Felsgebüsche, Föhrenwälder, Südlagen, auf Kalk und Fels

Das Verbreitungsgebiet der Felsenbirne umfasst Mittel-, Süd- und Osteuropa. Sie ist ein Strauch trockener, lichter Wälder und Felsfluren. In der kollinen und montanen Höhenstufe besiedelt sie meist süd- und südwestexponierte Lagen. In der subalpinen Höhenstufe ist sie nur an den wärmsten, windgeschützten Plätzen zu finden.

Die Felsenbirne hat fein gesägte, etwas bläuliche, kahle Blätter, die als junge zunächst noch dicht weißfilzig sind und eine schöne orange bis dunkelrote Herbstfärbung zeigen. Die Äste sind stark gebogen bis überhängend, weswegen sie oft mehr breit als hoch ist. Der Name Felsenbirne bezieht sich auf den Standort, der Name Edelweißstrauch auf die großen, weißen Blüten. Diese erscheinen bereits vor dem Laubaustrieb und erinnern an einen Obstbaum. Die bläuliche Frucht sieht dagegen eher wie eine große Heidelbeere aus. Für gewöhnlich wird die Felsenbirne kaum höher zwei bis drei Meter und selbst das nur in eher unzugänglichen Felswänden, weil sie gern vom Wild gefressen wird.

Die Felsenbirne ist ein ausgesprochen lichtbedürftiger Strauch mit hohen Wärmeansprüchen. Sie bevorzugt Vollsonne, kann aber auch Halbschatten unter lichten Kiefernwäldern ertragen.  Meist wächst sie auf warmen, trockenen, kalkreichen, steinigen Böden und besonders gerne auf Felsbändern. In tieferen Lagen schließt sie sich vornehmlich kalk- und wärmeliebenden Strauchgesellschaften (Berberidion) an, wie dem nach ihr benannten Felsenbirnengebüsch (Cotoneastro-Amelanchieretum). Weiters ist sie im Schneeheide-Kiefernwald (Erico-Pinetum sylvaticae) und Schneeheide-Latschengebüsch (Erico-Pinetum prostratae) anzutreffen. Schließlich kann die Felsenbirne eingestreut auch im Kalkfels-Fichtenwald oder Blaugras- Buchenwald vorkommen.

Im Nationalpark wird der Felsenbirnenbestand mit der fortschreitenden Waldwildnis eher abnehmen. Zwar werden die Vorkommen auf den Felsstandorten stabil bleiben, aber dafür werden sich manche Rotföhrenwälder, insbesondere wenn sie sekundär aus Fichtenwäldern hervorgegangen sind, wieder zu solchen entwickeln.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: zerstreut
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): regional gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

In einem Bergwald steht eine alte Eibe
Eibe ©ÖBf Nationalparkbetrieb

Steckbrief Eibe

Lateinischer Name: Taxus baccata
Charakteristik: Mehrstämmig, weiche Nadeln, langsam wachsend, dünne rotbraune Schuppenborke
Standort: Frischer, nährstoffreicher Boden, schattenliebend, in lichten Mischwaldbeständen

Die Eibe gedeiht wegen ihrer Frostempfindlichkeit am besten in wintermilden und eher sommerkühlen Gebieten. Laubwälder mit Eibe wachsen vor allem in der montanen Höhenstufe der regen- und schneereichen Stauzonen der Alpenrandgebiete.

Anders als die übrigen heimischen Nadelbaumarten neigt die Eibe zu Mehrstämmigkeit und bleibt mit 15 Meter Wuchshöhe ziemlich niedrig. Ungewöhnlich ist auch ihre Zweihäusigkeit, das heißt ein Baum hat entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten. Außerdem bildet sie keine Zapfen. Der etwas schleimige rote Samenmantel ist der einzige Teil der Eibe, der nicht das stark giftige Alkaloid Taxin enthält. Weil dieses auf Pferde tödlich wirkt, wurde die Eibe in früheren Zeiten mancherorts regelrecht ausgemerzt. Vom Wild werden die Zweige hingegen mit Vorliebe und ohne nachteilige Folgen gefressen. Auf geeigneten Standorten können Eiben bis zu 800 Jahre alt werden. Einzelne „Methusalems“ in England und Frankreich haben angeblich sogar ein Alter von 3.500 Jahren.

Die Eibe gedeiht am besten auf basenreichen, tonreichen, frischen Böden und bevorzugt steile Taleinschnitte und schattige Grabeneinhänge. In Buchen-Mischwäldern kann sie überdauern, weil sie nur geringe Ansprüche an die Belichtung stellt. Sie gehört aber nur im Steilhang-Eiben-Buchenwald (Taxo-Fagetum), der auch im Nationalpark vorkommt, zur typischen Baumartenkombination.

Wildwachsende Eiben sind heute selten. Die Art hat im Verlauf der nacheiszeitlichen Vegetationsentwicklung kontinuierlich Areal an die konkurrenzstärkeren Schattbaumarten Buche und Tanne verloren. Die übrig gebliebenen Vorkommen wurden im Mittelalter sorglos ausgeplündert, da sich das feste, aber biegsame Eibenholz vorzüglich zur Waffenherstellung eignete. Schon der Bogen der Gletschermumie „Ötzi“ aus 3.300 v. Chr. war aus diesem Holz gefertigt.

Heutzutage setzen der Eibe vor allem die Kahlschlag-Waldwirtschaft mit ihren kurzen Umtriebszeiten sowie der Wildverbiss zu. Aufgrund ihrer Seltenheit und ihres langsamen Wuchses wird die Eibe wohl auch in der Waldwildnis des Nationalpark Kalkalpen ein rarer Anblick bleiben.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: selten
Status Österreich: zerstreut bis selten
Rote Liste Österreich (1999): gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): gefährdet
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): vollkommen geschützt

Lärchen mit leuchtend gelber Herbstfärbung in steilem Berghang
Herbstliche Lärchenfärbung ©Herfried Marek

Steckbrief Europa-Lärche

Lateinischer Name: Larix decidua
Charakteristik: Bis über 50 Meter hoch, schlanke, kegelförmige Krone, graubraune, schuppige Borke mit rotbraunen Furchen, weiche, biegsame Nadeln in rosettig angeordneten Büscheln
Standort: Lichtliebend, in Hochgebirgslagen, Gebirgswälder, auch an trockenen Standorten

Die Lärche kommt bei uns hauptsächlich in der montanen und subalpinen Höhenstufe vor. Ihr natürliches Areal würde von etwa 1.400 Meter bis zur Waldgrenze reichen. Durch den Einfluss der Forstwirtschaft ist die Lärche heute aber auch in den unteren Höhenstufen vertreten.

Die Lärche ist an der dicken, etwas rötlichen Borke und an den lose herabhängenden Zweigen mit den hellgrünen Nadelbüscheln gut zu erkennen. Sie ist der einzige heimische Nadelbaum, der seine Nadeln jährlich abwirft. Für die intensiv gelbe Herbstfärbung ist die vorherige Rückeinlagerung von Mineralstoffen aus den Nadeln in das Holz verantwortlich. Bedingt durch Schneedruck ist die Lärche in den höheren Lagen häufig säbelwüchsig. Sie kann bis zu 800 Jahre alt werden und ist damit neben der Eibe unsere langlebigste Baumart.

Die Lärche bevorzugt sonnige, südseitige Hänge und skelettreiche, wasserdurchlässige Böden. Im Alter ist sie sehr widerstandsfähig gegen Lawinen, Murenabgänge und Steinschlag. Lufttrockene, windige Lagen kommen ihr entgegen, da sie für ihren Stoffwechsel ein Vielfaches mehr an Wasser verdunsten muss als andere Baumarten. Wie das gute Wachstum in den Forsten zeigt, verfügt sie aber an sich über eine große ökologische Toleranz. Dass sie natürlich erst in der oberen Höhenstufe vorkommt, liegt in erster Linie am hohen Lichtbedarf ihrer Verjüngung und der daraus folgenden Unterlegenheit gegenüber den Schattbaumarten Fichte, Buche und Tanne. Deshalb hat die Lärche von Almweiderodungen und der Kahlschlagwirtschaft sehr profitiert.

Natürliche Lärchen-Reinbestände stocken hauptsächlich in der subalpinen Höhenstufe und in Lawinenzügen. Daneben gibt es nutzungsbedingte Lärchenwiesen in Almgebieten. Meist tritt die Lärche aber in Mischung mit der Fichte auf. Neben dem Karbonat-Lärchenwald gibt es mehrere Fichtenwaldgesellschaften, an denen die Lärche beteiligt ist. Bei ungestörter Entwicklung wird der Lärchen- Nachwuchs in den meisten dieser Fichtenwaldgesellschaften allerdings ausgedunkelt.

Im Nationalpark Kalkalpen ist zu erwarten, dass die in den Fichtenforsten und Buchenmischwäldern derzeit regelmäßig beigemischte Lärche mit dem Ende der Kahlschlagwirtschaft deutlich an Areal verlieren wird.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: häufig
Status Österreich: häufig bis zerstreut
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Kadaververjüngung von Fichten, also Naturverjüngung, auf einem Wurzelteller.
Junge Fichten ©Herfried Marek

Steckbrief Fichte

Lateinischer Name: Picea abies
Charakteristik: Bis über 40 Meter hoch, aufrecht, immergrün; Rinde rötlich-braun bis grau, unregelmäßige Schuppenbildung; Nadeln stechend-spitz, im Querschnitt vierkantig; Zapfen hängend
Standort: Feucht-kühles Klima und Halbschatten schätzender Gebirgsbaum, nur durch Anpflanzung in tiefen Lagen;

Das Areal der Fichte reicht von Südeuropa bis nach Sibirien. Bei uns erreicht sie ihre stärkste Konkurrenzkraft in den schnee- und regenreichen Staulagen der Alpenränder, wo sie in Höhenlagen von 600 bis etwa 1.800 Meter vorkommt. Aufgrund ihrer forstwirtschaftlichen Bevorzugung ist sie weit über ihr natürliches Areal hinaus verbreitet.

Der Habitus der Fichte hängt von der Seehöhe ab. In den höheren Lagen zeichnet sie sich durch eine sehr schlanke Form aus. Die insbesondere in der Jugend rötlich gefärbte Rinde hat ihr die Bezeichnung Rottanne eingetragen, was nicht sehr glücklich gewählt ist, da die Tannen eine andere Familie sind. Auf geeigneten Standorten kann sie 50 Meter hoch und bis zu 600 Jahre alt werden.

Die Fichte kann aufgrund ihrer großen ökologischen Toleranz fast alle waldfähigen Standorte besiedeln. Sie wächst auf basischen wie sauren, leichten wie schweren Böden. Sie ist zwar etwas empfindlich gegen Frosttrocknis, aber widerstandsfähig gegen Kälte. In den hohen Lagen verlangt sie von Jugend an volles Licht, während sie in den Fichten-Tannen-Buchenwäldern lange mit Halbschatten auskommt.

Die Fichte kommt in zahlreichen Waldgesellschaften vor. Hier sind zunächst die Fichtenwälder der obermontanen bis subalpinen Höhenstufe (Vaccinio-Piceion) zu nennen, in denen sie die vorherrschende Baumart ist. Nach oben zu gehen diese Fichtenwälder in Lärchenwälder oder Latschengebüsche über. Weiters kommt die Fichte in trockeneren Buchenwaldgesellschaften, auf Felsstandorten sowie in Rotföhrenwäldern vor. Häufig sind Fichtenwälder nur die Vorstufe des anspruchsvolleren (Fichten-)Tannen- Buchenwaldes.

Im Nationalpark Kalkalpen wird die Fichte mit zunehmender Waldwildnis an Areal verlieren. Ihre forstlich bedingten Vorkommen in der Buchenstufe werden von Buchenmischwäldern abgelöst. Mit dem Ende der Durchforstung und den trockenen, heißen Sommern hat der Borkenkäferbefall zugenommen. Raumgewinne stehen für die Fichte einzig in den Latschenbeständen des Sengsengebirges und Größtenberges zu erwarten, wo die Waldgrenze im Zuge derWeiterentwicklung zu Fichtenwäldern nach oben rücken wird.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: sehr häufig
Status Österreich: sehr häufig
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Blick vom Hochsengs über westliches Sengsengebirge, im Hintergrund Totes Gebirge
Latschen am Hochsengs ©Herfried Marek

Steckbrief Latsche

Lateinischer Name: Pinus mungo
Charakteristik: strauchförmiger Wuchs, von kniehoch bis zu 3 Meter hoch
Standort: wächst auf Standorten welche höherwüchsigen Baumarten verschlossen sind

Das Areal der Latsche reicht von denWestalpen bis in die Karpaten und Dinarischen Alpen. Bei uns kommt
sie von der montanen bis in die subalpine Höhenstufe vor. Im Bereich der Waldgrenze kann es zur Ausbildung eines Krummholzgürtels kommen.

Charakteristisch für die Latsche ist ihr strauchförmiger Wuchs. In Gipfelbereichen kaum mehr als kniehoch, kann
sie in geschützten Lagen drei bis fünf Meter hoch werden. Sie bildet ein undurchdringliches Gestrüpp, das vom Wild
gerne als Einstandsgebiet angenommen wird und vermag selbst extrem flachgründige, feinerdearme Standorte zu
besiedeln. Mit ihrer Wuchsform und ihrem elastischen Holz ist sie an starke mechanische Belastungen durch
Steinschlag oder Schneeschub optimal angepasst und wächst auf Standorten, die höherwüchsigen Baumarten
verschlossen sind. Als Lichtbaumart kann sie sich gegen deren Konkurrenz dauerhaft nur auf Mooren, Felsfluren,
Schutthalden und in Gebieten oberhalb der Baumgrenze behaupten.

Die Latsche kommt im Nationalpark hauptsächlich im Verband der Subalpinen Latschengebüsche (Erico-Pinion
mugo) vor. Diese nehmen große Teile der über der aktuellen Waldgrenze liegenden Gebiete des Sengsengebirges
und Größtenberges ein und kommen auch auf den felsigen Hängen der Hintergebirgs-Schluchten vor. In sonnigen, trockeneren Lagen ist eher das Schneeheide-Latschengebüsch (Erico-Pinetum prostratae) zu finden, auf schattigen, frischeren eher das Karbonat-Alpenrosen-Latschengebüsch (Rhodothamno-Rhododendretumhirsuti) anzutreffen. Letzteres kann bei stärkerer Versauerung infolge von Rohhumusanreicherung zum Karbonat-Latschengebüsch mit Rost-Alpenrose (Vaccinio-Pinetummontanae) werden. Daneben ist die Latsche auch regelmäßig im Unterwuchs der unterhalb des Krummholzgürtels stockenden Lärchen- und Fichtenwälder vertreten.

Im Nationalpark Kalkalpen wird das Areal der Latsche mittelfristig zu-, langfristig aber eher abnehmen. Zugewinne
werden sich ergeben, wo die Latsche aufgelassene, nicht mehr geschwendete Almen zurückerobert. Später
wird es aber insbesondere an der unteren Grenze des Krummholzgürtels zu Arealverlusten durch die natürliche
Weiterentwicklung zum Fichtenwald kommen.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: sehr häufig
Status Österreich: häufig
Rote Liste Österreich (1999): regional gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): regional gefährdet
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001):teilweise geschützt-

Rot-Föhren wachsen auf Kalkfels
Rot-Föhre ©Herfried Marek

Steckbrief Rot-Föhre

Lateinischer Name: Pinus sylvestris
Charakteristik: 15 - 40 m hoch, variabler Wuchs, Kegel- oder Schirmförmige Krone; Borke vorerst glatt graugelb, später braunrote, grobe Schuppen; Nadeln paarweise;
Standort: Trockener, auch sandiger und mooriger Boden

Die Rot-Föhre ist im größten Teil Europas und Nordasiens verbreitet. Bei uns kommt sie von den Tieflagen bis etwa 1.400 Meter Seehöhe vor. Wegen ihrer höheren Wärmeansprüche und ihrer Empfindlichkeit gegen Schneebruch steigt sie nicht so hoch hinauf wie Fichte oder Lärche.

Der deutsche Artname verweist auf die fuchsrote bis ockergelbe Rindenfärbung im oberen Stammdrittel. Die Äste sind in Etagen angeordnet, gerade abstehend und in Büscheln verzweigt. Die Stämme sind im Alter meist bis weit oben astfrei. Auf ihren natürlichen Standorten wird die Rot-Föhre 15 - 20 Meter hoch und bis zu 500 Jahre alt.

Die Rot-Föhre ist eine ausgesprochen anspruchslose Pionierbaumart mit einer sehr großen ökologischen Toleranz. Sie ist allerdings sehr lichtbedürftig und kann sich daher nur auf Extremstandorten dauerhaft gegen die Konkurrenz der schattenverträglichen Nadel- und Laubbaumarten behaupten. Dies ist besonders in schroffen Hängen und auf kargen Böden mit sehr geringemWasserspeichervermögen der Fall.

Rot-Föhre dominierteWaldgesellschaften sind im Verband der Schneeheide-Kiefernwälder (Erico-Pinion) zusammengefasst. Im Nationalpark sind solche Wälder in den höheren Bereichen der steilen Hintergebirgs-Schluchten sowie auf der Südseite des Sengsengebirges zu finden. Meist ist die Rot-Föhre aber nur eine beigemischte Art in trockeneren Buchen- und Fichtenwaldgesellschaften (Seslerio-Fagetum, Calamagrosti-Picetum). Dazu muss man wissen, dass der Fichtenwald die natürliche Folgegesellschaft des Rotföhrenwaldes ist.

Obwohl die Rot-Föhre als Baumart häufig ist, sind die von ihr aufgebauten natürlichen Rotföhrenwälder eine Besonderheit mit hohem Naturschutzwert. Sie zeichnen sich als Refugium für wärmeliebende, lichtbedürftige, zum Teil seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten aus. Im Nationalpark Kalkalpen ist davon auszugehen, dass das Areal der Rot-Föhre abnehmen wird. Insbesondere auf den Südhängen des Sengsengebirges dürften manche Bestände sekundär durch Bodendegradation nach Kahlschlagwirtschaft aus Fichtenwäldern hervorgegangen sein und werden bei ungestörter Entwicklung wieder von solchen abgelöst werde.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: zerstreut
Status Österreich: häufig
Rote Liste Österreich (1999): -
Rote Liste Oberösterreich (1997): -
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Fichten und Tannen mit frischen Trieben dahinter Buchen mit zarten Frühlingslaub
Frühling im Fichten-Tannen-Buchenwald ©Herfried Marek

Steckbrief Tanne

Lateinischer Name: Abies alba
Charakteristik: 30 - 50 Meter hoch, Wipfel pyramidenförmig, im Alter flach; Zweige grau, Nadeln stumpf mit 2 unterseitigen Wachsstreifen; Rinde weißgrau;
Standort: Gebirge, meidet trockene und stark saure Böden

Die Tanne ist eine wichtige Begleitbaumart in den Bergwäldern Mittel- und Südeuropas. Ihre Höhengrenze ist in unseren Breiten bei etwa 1.500 Meter erreicht, wobei der Schwerpunkt der Vorkommen zwischen 600 und 1.200 Meter Seehöhe liegt.

Von der Fichte lässt sich die Tanne aus der Ferne an der helleren Borke, der vorwiegend horizontalen Astverzweigung und den aufrechten Zapfen unterscheiden. Im Alter typisch ist auch der breit-gedrungeneWipfel, der ein wenig an ein Storchennest erinnert. Während auf eher trockenem Untergrund schon mit 15 bis 20 Meter das Maximum erreicht sein kann, sind auf frischen Standorten schon Baumhöhen von 60 Meter und mehr gemessen worden. Damit ist sie die Rekordhalterin unter den heimischen Bäumen.

Die Tanne bevorzugt wie die Buche eher luftfeuchte, sommerkühle, frostarme Lagen. Durch ihr tiefgehendes Wurzelsystem gedeiht sie sowohl auf feucht-schweren als auch eher trockenen Böden. Die Tanne ist noch schattentoleranter und wesentlich unempfindlicher gegen Bodenvernässung als die Buche. Sie übertrifft in dieser Hinsicht alle heimischen Nadelbäume. Untersuchungen in Urwäldern haben gezeigt, dass Tannen bis zu 200 Jahre lang unter dem Schirm von Fichten und Buchen ausharren können, um sich dann bei etwas mehr Lichtgenuss zu dominanten Bäumen zu entwickeln.

Die Tanne findet optimale Wuchsbedingungen in den frischen, krautreichen Buchen- und Buchenmischwäldern (Fichten-Tannen-Buchenwald). Daneben kommt sie aber auch in verhältnismäßig trockenen Waldgesellschaften wie dem Seggen- und Blaugras-Buchenwald vor. Die Tanne wächst noch in Waldgesellschaften, die für die Buche zu nass und/oder kühl sind, wie dem Schachtelhalm- Tannenmischwald oder dem Alpendost-Fichten- Tannenwald.

Die Tanne wächst in der Jugend viel langsamer als Fichte und Buche und verträgt die Schlagwaldwirtschaft mit ihren kurzen Umtriebszeiten nicht besonders. Sie wird zudem stark vom Wild verbissen. Es ist davon auszugehen, dass der Tannenanteil in denWäldern des Nationalparks mit der zunehmendenWaldwildnis deutlich ansteigen wird.

Status, Gefährdung und Schutz

Status Nationalpark Kalkalpen: zerstreut
Status Österreich: häufig bis selten
Rote Liste Österreich (1999): gefährdet
Rote Liste Oberösterreich (1997): starker Bestandsrückgang
Naturschutzgesetz Oberösterreich (2001): -

Pflanzenwelt der Kalkalpen

Der Waldnationalpark Kalkalpen beheimatet eine außerordentliche Vielfalt an Holzgewächsen. Ganze 32 von 65 in Österreich heimischen Baumarten und über 50 verschiedene Straucharten sind im Schutzgebiet nachgewiesen. Mit der ältesten bekannten Buche Kontinentaleuropas stellt der Nationalpark Kalkalpen sogar einen Pflanzenrekord auf: Ihre Geburtsstunde lässt sich auf das Jahr 1473 datieren.

Bereichert wird die Nationalparkflora außerdem durch 927 Gefäßpflanzenarten (= ein Drittel der in Österreich vorkommenden Arten). Dazu zählen u.a. 42 wildwachsende Orchideenarten.

Die Buche profitiert von der Rückkehr der Kalkalpen zur Waldwildnis am meisten. Dabei erobert der typische Laubbaum der regen- und schneereichen Staulagen der Alpenränder jenes Territorium zurück, das er aus forstwirtschaftlichen Gründen vormals an die Fichte abtreten musste.

Die Österreich-Wolfsmilch kommt als Endemit ausschließlich in den nordöstlichen Kalkalpen vor. Ihren Namen verdankt die ca. 80 cm hohe Staude ihrem weißen Milchsaft, der bei Verletzungen austritt und ätzend wirkt. Er dient der Pflanze als Wundverschluss und Fraßschutz.

Mit der Türkenbund-Lilie beherbergen die Wälder der Kalkalpen eine von drei heimischen Wildlilienarten. Zur Blütezeit trägt die Pflanze, die bis zu einem Meter hoch werden kann, hellpurpurne Blüten, die in ihrer Form einem Turban ähneln. Damit gehört sie zu den auffälligsten Blumen der Waldwildnis.

Logo Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie
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