Alte Wälder
und Urwälder

TRÄGER DER BIOLOGISCHEN VIELFALT

Der Nationalpark Kalkalpen liegt im größten geschlossenen Waldgebiet der nördlichen Kalkalpen. Die Wälder verfügen über eine herausragend hohe Naturnähe, die weit über dem österreichischen Durchschnitt liegt.
Urwald mit liegendem Totholz
Urwald mit Totholz ©Andreas Mayr

Schatz des Nationalpark Kalkalpen

Der wilde Wald

Besonders natürliche Wälder sind Urwälder, weil sie seit der Wiederbewaldung nach der letzten Eiszeit vom Menschen vollständig unberührt geblieben sind! Es gibt von ihnen in Österreich neben dem Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal und dem Neuwald am Lahnsattel in Niederösterreich nur noch kleine Reste. Im Nationalpark Kalkalpen haben sich hinter zerklüfteten Schluchten und in verborgenen Tälern bis heute Urwaldreste gehalten. Sie sind Kernstücke ungeahnter Vielfalt, Gen-Reservoir und Rückgrat des Nationalparks.

Blick über herbstlich gefärbte Bergwälder
Waldreiches Hintergebirge ©Franz Sieghartsleitner
Dunstverhangener Buchenwald mit Totholz
Buchenurwald ©Erich Mayrhofer

Rückgrat des Nationalpark Kalkalpen

Urwald

Eine große wissenschaftliche Bedeutung haben Urwälder für die Erforschung von Kreisläufen, Lebensgemeinschaften und der Dynamik im Ökosystem Wald. Sie gelten als Referenzflächen für Naturnähe-Bewertungen im Wald. Aber auch der Forstwirtschaft kommt das Wissen über Urwälder zugute. Eine gründliche Kenntnis der natürlichen Lebensvorgänge im Wald ist die Grundlage einer nachhaltigen Forstwirtschaft.

Im Rahmen der Biotopkartierung wurden in unzugänglichen Lagen bisher acht Waldflächen entdeckt, die mit großer Wahrscheinlichkeit als Urwaldreste einzustufen sind. Es handelt sich überwiegend um Buchen- und Fichten-Tannen-Buchenwälder, kleinflächig auch um natürliche Fichtenwälder. Das Gesamtflächenausmaß der Urwaldreste umfasst etwas mehr als 37 Hektar, die kleinste Fläche ist nur wenig größer als zwei Hektar, die größte umfasst rund 14 Hektar. (Lenglachner & Schön 2008)
Durch die Außernutzungsstellung des Waldes im Nationalpark Kalkalpen wird dieser einem Urwald mit seinen mächtigen Baumriesen und Totholzreichtum im Laufe der Zeit immer mehr gleichen. Die „Geburt“ eines (sekundären) Urwaldes ist voll im Gange!

Totholz Buchenstamm mit Baumschwämmen liegt am Waldboden
Totholz Buchenstamm © Herfried Marek

Alles andere als tot

Totholz

Rund ein Drittel aller Waldorganismen ist direkt oder indirekt von Totholz abhängig!
Als Totholz werden abgestorbene Stämme und Äste bezeichnet. Es ist Lebensraum und Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl an Lebewesen im Wald. Durch die großflächige und intensive Waldnutzung in den Wirtschaftswäldern sind viele der totholznutzenden Lebewesen selten geworden.

Der Nationalpark Wald verfügt derzeit über durchschnittlich knapp über 30 Festmeter Totholz pro Hektar. Das ist mehr als dreimal soviel als der Durchschnitt im gesamtösterreichischen Wald. Nicht nur die Menge, auch die Qualität des Totholzes ist entscheidend. Viele der bedrohten Waldarten brauchen Starktotholz mit über 20 cm Durchmesser zum Überleben. Zu den Totholznutzern zählen etwa viele Pilzarten, Käfer, Eulen und Spechte, Säugetiere wie der Siebenschläfer und Fledermäuse aber auch Flechten und Moose. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl der schöne Alpenbock Käfer oder der seltenste Specht Österreichs - der Weißrückenspecht.

In bester
Waldgesellschaft

30 verschiedene Waldgesellschaften gibt es im Nationalpark Kalkalpen

Dabei dominiert der Fichten-Tannen-Buchenwald das Landschaftsbild. Der Wald war über Jahrhunderte wichtigster Energie- und Rohstofflieferant. Die Nutzung hat ihn vielfach verändert: Der Anteil von Fichte und Lärche ist auf Kosten von Tanne, Buche und anderen Laubgehölzen gestiegen.

Und doch gibt es im Nationalpark noch naturnahe Wälder. Sie sind die Keimzellen eines zusammenhängenden Naturwaldes von morgen. Im Nationalpark entsteht wieder Vielfalt. Bäume dürfen wachsen, alt werden und sterben, so wie der Lauf der Natur es vorsieht. Alte, abgestorbene Bäume sind ein wichtiger Lebensraum für viele Tiere wie zum Beispiel Käfer und Spechte. Während auf vermodernden Stämmen die nächste Baumgeneration heranwächst, zersetzen Insekten und Mikroorganismen die Reste des Totholzes zu fruchtbarem Humus.

Fichten und Tannen mit frischen Trieben dahinter Buchen mit zarten Frühlingslaub
Frühling im Fichten-Tannen-Buchenwald ©Herfried Marek
Schluchtmischwald mit großen bemoosten Steinen
Schluchtmischwald ©Erich Mayrhofer

Schlucht- und Hangmischwälder

Auf Hängen und in Schluchten, die eine hohe Luftfeuchtigkeit, dauernde gute Wasserversorgung und eine gewisse Instabilität des Bodens aufweisen, kommen edelholzreiche Mischwälder vor. Die Baumschicht ist in der Regel sehr artenreich und setzt sich aus Ahorn- und Linden-Arten, Esche und Berg-Ulme zusammen. Diese Waldbestände sind im Nationalpark eher kleinflächig ausgebildet und nur wenige Hektar groß. Die Baumstämme weisen bedingt durch die instabilen Hangstandorte oft Säbelwuchs auf. Eine Strauchschicht ist in der Regel vorhanden, in der Krautschicht dominieren meist breitblättrige, hochwüchsige Stauden. Da die Laubeinstreu innerhalb weniger Monate abgebaut wird, können sich Bodenmoose reichlich entwickeln. Viele der bestandsbildenden Baumarten haben ein hohes Potential zur vegetativen Regeneration wie etwa Stockausschlag und Wurzelbrut.

Im Nationalpark ist dieser Waldtyp überwiegend an Unterhängen über geringmächtigen Schotterkörpern als Hirschzungen-Ausbildung des Eschen-Ahornwaldes entlang größerer Flusstäler vertreten. Eine sehr seltene Ausbildung mit Gaißbart befindet sich im Bodinggraben. Darüber hinaus gibt es winzige thermophile Lindenwald-Fragmente im Bereich Blumaueralm und Zeckerleiten, zerstreute Hasel-Gebüsch-Fragmente als Dauergesellschaft sowie kleinflächig auch Ahorn-Ulmenwälder.

Sonnenstrahlen fallen durch Baumwipfel von Fichten
Morgenstimmung im Fichtenwald ©Herfried Marek

Montane bis alpine bodensaure Fichtenwälder

Der Lebensraumtyp umfasst unterschiedliche Waldgesellschaften, die alle von der Fichte dominiert werden. Einerseits sind dies die Nadelwälder der Alpen und Mittelgebirge in der montanen bis alpinen Höhenstufe über Silikat-, aber auch Karbonatgestein. Andererseits kommt die Fichte in Mitteleuropa auf Sonderstandorten wie Blockhalden und Felsbändern oder an lokalklimatisch kühleren Standorten vor. Die Fichte ist eine besonders kältefeste Baumart, die winterliche Temperaturen von minus 40 Grad Celsius erträgt. Natürliche, von Fichte dominierte Wälder sind in Zentraleuropa durch klimatisch bedingte lange, kalte Winter, regelmäßige Spätfröste und damit eine kurze Vegetationsperiode gekennzeichnet. Nahezu überall, wo die Fichte in Reinbeständen wächst, schafft sie mit ihrer schwer zersetzbaren Nadelstreu die Voraussetzung für die Bildung von Rohhumus. Typische Charakterarten der Fichtenwälder sind somit Säurezeiger. In der montanen Höhenstufe bildet die Fichte häufig geschlossene, wenig gestufte Bestände. Gegen die Waldgrenze werden die Wälder zunehmend aufgelockert und stufig. Die Fichten treten hier in einer tiefbeasteten und schmalkronigen Hochlagenform auf und wachsen in Gruppen.

Bodensaure Fichtenwälder findet man im Nationalpark Typ kleinflächig über versauerten Kammlagen wie im Bereich Alpkogel-Rabenplan oder in Dolinen zum Beispiel im Kollersgraben. Weiters wächst er als Hochstauden-Variante unter anderem im Gebiet Alpstein-Trämpl-Nordhang, im Norden und Osten des Größtenberges und im Bereich Feichtau-Sonntagmauer.

Klein und krumm gewachsene Fichten wachsen auf Moorwiese mit Wollgras
Moorwald mit Wollgras ©Angelika Stückler

Moorwälder - kleinflächig und sehr selten

Moorwälder fassen die Strauch- beziehungsweise Waldgesellschaften über nassen, sauren Torfböden zusammen. Meist entwickelt sich Gehölzvegetation an den Rändern von Mooren. Im niederschlagsärmeren Klima und bei entsprechenden bodenbezogenen Bedingungen können die Wälder auch das ganze Moor einnehmen. Allgemein werden Moorwälder von Birken, Rot-Föhren, Latschen oder Fichten dominiert. Durch die extrem armen Verhältnisse der Torfböden werden die Bäume maximal 20 Meter hoch oder bleiben nur strauchförmig. Die Bestände sind locker und lückig, nur Strauchgesellschaften sind sehr dicht („Latschenfilz“). Die Bäume wachsen langsam und können die in anderen Waldgesellschaften erreichten Höhen, Alter und Durchmesser bei weitem nicht erreichen. Die Bodenvegetation Moorwälder fassen die Strauch- beziehungsweise Waldgesellschaften über nassen, sauren Torfböden zusammen.

Im Nationalpark findet man sie im Bereich Ebenforst, Rotwagmauer, Dörflmoaralm und Feichtau, alle gehören zu den Fichten dominierten Moorwäldern.

Bachlandschaft mit Auwald auf Schotterbank
Auwald am Großen Bach ©Herfried Marek

Auwälder mit Schwarz-Erle und Edel-Esche

Im unmittelbaren Überflutungsbereich von Fließgewässern und an Standorten mit regelmäßig schwankenden, hoch anstehenden Grundwasserständen entwickeln sich Erlen- und Eschenauwälder. Sie bestehen aus schnellwüchsigen Gehölzen, die mit ihren Wurzeln das ganze Jahr mit dem Grundwasser in Kontakt stehen.

Die von stärkeren Hochwässern überfluteten Auen werden eher von Weiden besiedelt. Dabei handelt es sich um sehr dynamische Lebensräume. In der planaren bis kollinen Höhenstufe stocken Schwarz-Erlen und Edel-Eschen auf staunassem, tonigem Substrat an gefällearmen Bächen und Flüssen. Die Bestände können als schmale, Bach begleitende Gehölzstreifen, aber auch als ausgedehnte, die gesamte Au einnehmende Wälder ausgeprägt sein.
Das Kronendach ist meist nicht vollständig geschlossen, was die Entwicklung einer üppigen Krautschicht mit hochwüchsigen Stauden ermöglicht. Auch die Strauchschicht wächst häufig üppig. In höheren Lagen kommt es zur Ausbildung von Grauerlen-Eschen- oder Eschen-Wäldern.

Im Nationalpark Kalkalpen befinden sich Grauerlenauen auf breiten Schwemmböden, vor allem entlang des Großen Baches im Hintergebirge, an der Krummen Steyrling im Bodinggraben und am Blöttenbach. Quell-Eschenwälder wachsen am Osteinhang zur Großen Klause, lokal über Lunzer Schichten an den Nordeinhängen (Jörglgraben).

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